Riesige Preissprünge bei den Energiekosten sorgen dafür, das Verbraucher bis zu fünfzig Prozent mehr zahlen müssen für Strom und Gas. Somit hätte die Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes nicht zur Entlastung der Verbraucher bei den Kosten für Energie geführt, so das Fazit einer Studie der Postbank. Wie die Studie feststellt, sind die Energiepreise gegenüber den sonstigen Lebenshaltungskosten in den vergangenen zehn Jahren viermal so schnell gestiegen. Gegenüber dem Jahr 1998 zahlen Verbraucher laut der Postbank-Studie im Schnitt ca. fünfzig Prozent mehr für den Energieverbrauch.
Während Strom der Studie zufolge “nur” etwa vierzig Prozent mehr kostet als 1998, habe sich der Gaspreis nahezu verdoppelt während der letzten zehn Jahre. Ebenso verdoppelt habe sich während dieser Zeit der Preis für den Liter Kraftstoff, Heizöl kostet innerhalb des betrachteten 10-Jahres-Zeitraum nunmehr sogar das dreifache!
Nach Ansicht des BDEW - Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sind die Preiserhöhungen jedoch nicht als Zeichen für fehlenden Wettbewerb im Energiemarkt zu betrachten, sondern gingen einerseits auf die stark steigenden Rohstoffpreise für Öl und Gas zurück, andererseits auf die Effekte aus Ökosteuer, Mehrwertsteuer sowie der zunehmenden Einspeisung und Nutzung von alternativen Energieformen. Die Kombination von diesen beiden Punkten sei der größte Preistreiber, , denn der reine “Netto-Strompreis” (vor Steuern und Abgaben) war im Jahr 2007 rund fünf Prozent geringer als vor Beginn der Liberalisierung des Strommarktes. das der wettbewerb im Strommarkt langsam in fahrt kommt, beweist auch die Tatsache, dass in 2007 über eiine Million Kunden den Stomanbieter gewechselt haben, was ca. einer Verdopplung gegenüber dem Wechselwillen der haushalte im Jahr 2006 gleich kommt.
Eine andere Bundesbehörde - das Bundeskartellamt - vertritt jedoch eine völlig andere Meinung, indem es den großen Versorgern Preisabsprachen vorwirft. So wird die Konzentration der Erzeugung von Strom auf die vier größen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall sowie EnBW in einem Gutachten der Monopolkommission bemängelt. Kritisch stuft das Bundeskartellamt ebenfalls die Beteiligung an zahlreichen Stadwerken durch die großen vier Energiekonzerne ein.
Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, zählt als Energieexpertin ebenfalls zu den Leuten, die den Strommarkt kritisch beäugen. So sieht sie die zuletzt vorgeneommenen Preissteigerungen der Konzerne als ungerechtfertigt an, weil die Herstellungs- / Erzeugungskosten für Strom bei den Atomkraft- sowie Braunkohlewerken kaum gestiegen sind.