Verbraucherzentrale Brandenburg kritisiert Gaspreiserhöhung

Die geplante Erhöhung des Gaspreises im Bundesland Brandenburg durch den Gasversorger EWE wird von der Verbraucherzentrale Brandenburg scharf kritisiert.

Der Gaspreis im ostbrandenburgischen Versorgungsgebiet des Energiekonzernes EWE soll laut Ankündigung in der vergangenen Woche um 11,5 Prozent zum 1. April 2008 angehoben werden. Alexander Bredereck als Chef der brandenburgischen Verbraucherzentrale nennt diese “beispiellos arrogant”. Derzeit läuft gegen die EWE immer noch eine Sammelklage von 187 Gaskunden am Landgericht in Frankfurt/oder gegen die Anhebung der Erdgaspreise im September 2004. Für diesen Fall ist der 24. Juli 2008 als nächster Verhandlungstag angesetzt, zu diesem Zeitpunkt werden die abermals erhöhten Gaspreise dann schon fast vier Monate Gültigkeit haben.

Weiter Energieanbieter im Land Brandenburg haben zum Beginn des zweiten Quartals 2008 höhere Gaspreise angekündigt, so die PVU Prignitzer Energie- und Wasserversorgung in Perleberg (Landkreis Prignitz), die Stadtwerke Wittenberge (ebenfalls Prignitz) und die Stadtwerke Herzberg im Landkreis Elbe-Elster.

Keine wettbewerbswidrigen Werbesprüche von Stromanbietern

Ein Stromanbieter muss die Energieverbraucher auf die Unterschiede seines Tarifmodells ( z.B. längere Lauzeit des Stromliefervertrages) detailliert hinweisen, wenn er damit wirbt, dass seine Stromtarife günstiger sind als die der Konkurrenz bzw. Mitbewerber. Bei allgemeinen Behauptungen in den Werbeaussagen des Energieunternehmens, die nicht in jedem konkreten Fall zutreffend sind, wird wettbewerbswidrig gehandelt. Das machte das in Brandenburg/Havel ansässige Brandenburgische Oberlandesgericht jetzt unter dem Aktenzeichen 6U6/07 einem großen Energieversorger (EON edis) klar, der in weiten Teilen der Bundesländer Bandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern Flyer mit dem Werbespruch “Gelb - nicht wirklich günstiger” verteilt hatte.

EON edis unterstellte dem Mitbewerber Yello-Strom, prinzipell teurer zu sein. Diese Verallgemeinerung sei jedoch vollkommen unzutreffend, berichtete die Deutsche Anwaltshotline in Nürnberg. Nach Ansicht der Richter am Brandenburgischen Oberlandesgericht (Urteil vom 25. September 2007, Az.: 6 U 6/07), wurde den Verbrauchern gegenüber verschwiegen, dass der “gelbe Strom” von Yello beispielsweise bei einem Jahresverbrauch zwischen 2.500 und 3.000 Kilowattstunden preiswerter sei. Ein weiterer für die Verbraucher wichtiger Punkt, auf den nicht hingewiesen wurde ist der, dass die vertraglichen Bindungsfristen beim Yello-Strom weniger lang sind.

Yello Strom

Stromanbieter NUON erweitert Marktgebiete

Der aus den Niederlanden stammende Stromkonzern NUON wird durch die Erweiterung der Marktgebiete seine Position im deutschen Energiemarkt weiter ausbauen und stärken können. Wie der Stromanbieter am Mittwoch, den 6. Februar 2008, in Berlin mitteilte, könnten mit sofortiger Wirkung auch Stromverbraucher in den Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam Strom von NUON beziehen.

Ebenfalls eine gute Nachricht gibt es für alle Berliner Stromkunden von NUON mit der Ankündigung von Preissenkungen rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres auf Grund der durch die Bundesnetzagentur erwirkten Senkung der Netzentgelte. Die nunmehr geringeren Kosten werden somit an die Stromverbraucher weitergereicht. Nach eigenen Angaben hat der Stromanbieter NUON bisher bereits mehr als 200.000 Kunden in Deutschland.

Strom und Gas trotz Liberalisierung immer teurer

Riesige Preissprünge bei den Energiekosten sorgen dafür, das Verbraucher bis zu fünfzig Prozent mehr zahlen müssen für Strom und Gas. Somit hätte die Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes nicht zur Entlastung der Verbraucher bei den Kosten für Energie geführt, so das Fazit einer Studie der Postbank. Wie die Studie feststellt, sind die Energiepreise gegenüber den sonstigen Lebenshaltungskosten in den vergangenen zehn Jahren viermal so schnell gestiegen. Gegenüber dem Jahr 1998 zahlen Verbraucher laut der Postbank-Studie im Schnitt ca. fünfzig Prozent mehr für den Energieverbrauch.

Während Strom der Studie zufolge “nur” etwa vierzig Prozent mehr kostet als 1998, habe sich der Gaspreis nahezu verdoppelt während der letzten zehn Jahre. Ebenso verdoppelt habe sich während dieser Zeit der Preis für den Liter Kraftstoff, Heizöl kostet innerhalb des betrachteten 10-Jahres-Zeitraum nunmehr sogar das dreifache!

 Nach Ansicht des BDEW - Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sind die Preiserhöhungen jedoch nicht als Zeichen für fehlenden Wettbewerb im Energiemarkt zu betrachten, sondern gingen einerseits auf die stark steigenden Rohstoffpreise für Öl und Gas zurück, andererseits auf die Effekte aus Ökosteuer, Mehrwertsteuer sowie der zunehmenden Einspeisung und Nutzung von alternativen Energieformen. Die Kombination von diesen beiden Punkten sei der größte Preistreiber, , denn der reine “Netto-Strompreis” (vor Steuern und Abgaben) war im Jahr 2007 rund  fünf Prozent geringer als vor Beginn der Liberalisierung des Strommarktes. das der wettbewerb im Strommarkt langsam in fahrt kommt, beweist auch die Tatsache, dass in 2007 über eiine Million Kunden den Stomanbieter gewechselt haben, was ca. einer Verdopplung gegenüber dem Wechselwillen der haushalte im Jahr 2006 gleich kommt.

Eine andere Bundesbehörde - das Bundeskartellamt - vertritt jedoch eine völlig andere Meinung, indem es den großen Versorgern Preisabsprachen vorwirft. So wird die Konzentration der Erzeugung von Strom auf die vier größen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall sowie EnBW in einem Gutachten der Monopolkommission bemängelt. Kritisch stuft das Bundeskartellamt ebenfalls die Beteiligung an zahlreichen Stadwerken durch die großen vier Energiekonzerne ein.

Claudia Kempfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, zählt als Energieexpertin ebenfalls zu den Leuten, die den Strommarkt kritisch beäugen. So sieht sie die zuletzt vorgeneommenen Preissteigerungen der Konzerne als ungerechtfertigt an, weil die Herstellungs- / Erzeugungskosten für Strom bei den Atomkraft- sowie Braunkohlewerken kaum gestiegen sind.